Donnerstag, 13. August 2015

Wetter 14.08.2015: Tief Eberhard bringt nochmal Gewitter


Gültig von: 14.08.2015, 08:00 MESZ bis 15.08.2015, 08:00 MESZ
Erstellt am: 13.08.2015, 21:45 MESZ


Einschätzung

Kategorie Moderate - für Teile Baden-Württembergs, Bayerns, Hessens und Thüringens

Kategorie Slight - für Teile Baden-Württembergs, Bayerns, Hessens, Thüringens, Nordrhein-Westfalens, Niedersachsens, Bremens, Hamburgs und Schleswig-Holsteins

Thunderstorms - für alle Teile Deutschlands mit Ausnahme Berlins, Brandenburgs und Sachsens


Zusammenfassung

Es besteht Potential für Großhagel um 5 cm, Schwere Sturmböen und Starkregen.


Synoptik

Die immerwährenden Partner Trog Island und Rücken Azoren liegen wie schon in den vergangenen Tagen wieder über ihrem namensgebenden Ort. Beide werde sich bis zum Samstag weiterhin kaum von der Stelle bewegen. Von Interesse wird daher für Mitteleuropa die Kurzwelle über Frankreich sein, die heute noch als Quasi-Cut-Off existent ist, aber zum Freitag vorübergehend wieder mehr in den Einflussbereich des Troges integriert wird. Sie wird sich nur sehr langsam fortbewegen, sodass es nur zu einer leichten Touchierung Deutschlands bis zum Samstag morgen kommt. An der Vorderseite der Trog- und Kurzwellenachse kann ein Keil des Rückens sehr steil aufwölben und bis zum nördlichen Skandinavien vorstoßen.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wird Deutschland vor allem über der Nordhälfte noch überwiegend von Hochdruck beeinflusst, erst am Alpenrand zeigt sich ein kleines Hitzetief. An der Vorderseite der Kurzwelle liegt zudem eine Tiefdruckrinne mit Zentrum EBERHARD über dem Norden Frankreichs. Letzteres wird unter vorübergehender Zyklogenese mit Voranschreiten der Kurzwelle nordwärts progressieren, dabei aber sein Einflussgebiet bis Freitag Nachmittag auf ganz Deutschland ausweiten. Eingelagert in die Tiefdruckrinne ist dabei eine durchaus potente Konvergenzlinie, die sich schon jetzt über BeNeLux als äußerst aktiv erweist, evtl. dies aber bis spätestens Freitag morgen nicht mehr sein wird. Hinter der Konvergenz folgt zudem eine recht flache Kaltfront, die den Modellen nach im Verlauf des Tages die Regie über Deutschland übernehmen wird.


Diskussion

Da Deutschland zunächst noch innerhalb des Warmsektors liegt, sind verbreitet Temperaturen von 28 bis 32 °C möglich, ganz lokal vielleicht auch bis zu 34 °C. Dazu ist die Luftmasse relativ feucht, mit einem Wassergehalt von verbreitet 10 g/kg, entlang der Konvergenz gar bis zu 14 g/kg, nur im Osten liegt ein schmaler Streifen mit vergleichsweise trockener Luft vor. Bei einem vertikalen Temperaturgradienten 6,5 °/km über dem Süden und Westen sowie bis zu 7,5 °/km über dem Osten und entlang der Konvergenz sind entsprechend hohe Energiewerte um die 1.000 J/kg CAPE zu erwarten. Wie schon in den vergangenen Tagen ist jedoch die Höhenströmung immer noch recht gering. So ist es nicht verwunderlich, dass entlang der Konvergenz maximal 10 m/s, mit der Kaltfront und der zunehmenden Nähe zur Kurzwelle immerhin noch 15 m/s 0-6 km Scherwerte erreicht werden. Dafür ist oftmals 200 bis 300 m²/s² 0-3 Helizität präsent, womit trotzdem noch die Möglichkeit von rotierenden Systemen vorhanden ist.

Den Anfang machen wird vermutlich zum Nachmittag der Südwesten, zunächst als Multizellen, die sich dann aber zügig in größere Systeme verclustern und nordwärts ziehen. Es ist durchaus möglich, dass sich dabei eine Linie bildet, mit der die Gefahr für starke Böen bis rauf zu Schwere Sturmböen zunähme. Zudem besteht besonders zum Nachmittag die Gefahr von Großhagel bis 5 cm im Süden, mit rotierenden Systemen können diese unter Umständen auch größer ausfallen. Selbst zum späteren Zeitpunkt, bei zunehmender Verclusterung, kann immer noch Hagel bis 3 cm mit stärkeren Zellen auftreten. Die Modelle ermöglichen zudem teilweise die Option einer schwachen Aktivität entlang der Konvergenz, die zum Westen hin zunimmt, während im Osten, bedingt durch die eher trockene Luft, Entwicklungen unwahrscheinlich sind. Evtl. ist hier Hagel um 2 cm Größe möglich. An beiden Linien ist Starkregen zwar ein Thema, lokale Überschwemmungen dürften aber bei einem ausfällbaren Wassergehalt von 30 bis maximal 40 mm eher eine Ausnahme bilden.


Verifikation

Niederschlag in 24 Stunden bis 07:50 Uhr.
Spitzenböen in 24 Stunden bis 07:50 Uhr.
Blitze in 24 Stunden bis 07:50 Uhr.


Zwar konnten gerade noch passend im Bereich der Kategorie Moderate die erwarteten Gefahren beobachtet werden und auch eine Superzelle zog von der Schweiz in dieses Gebiet hinein, jedoch fand erneut die Hauptaktivität der Gewitter weiter östlich statt, vor allem in der Nordhälfte befanden sich viele der stärkeren Zellen über Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt - und damit überwiegend außerhalb des prognostizierten Gefahrengebiets. Damit insgesamt eines der eher schlechteren Prognosen.


Zugbahn der Superzelle Bludenz am 14.08.2015.


Sonntag, 9. August 2015

Wetter 10.08.2015: Tief Detlef sorgt für Unruhe


Gültig von: 10.08.2015, 08:00 MESZ bis 11.08.2015, 08:00 MESZ
Erstellt am: 09.08.2015, 22:20 MESZ


Einschätzung

Kategorie Slight - für Teile Rheinland-Pfalz', Hessens, Saarlands, Baden-Württembergs Nordrhein-Westfalens, Thüringens und Sachsen-Anhalts

Thunderstorms - für Teile Rheinland-Pfalz', Hessens, Saarlands, Baden-Württembergs Nordrhein-Westfalens, Thüringens, Sachsen-Anhalts, Brandenburgs, Niedersachsens, Bremens, Hamburgs und Schleswig-Holsteins


Zusammenfassung

Es besteht Potential für ergiebigen Niederschlags bis 100 mm, stürmische Böen und Hagel bis 3 cm.


Synoptik

Der nordatlantische Trog hat sich ein Stück weit nördlicher verlagert und residiert nun mit seinem Zentrum leicht nördlich von Island. An seiner Südflanke zeigt sich eine neue Kurzwelle über den britischen Inseln, das eine Nordost-Zugbahn einnimmt und kurzfristig Einfluss auf das Wettergeschehen über Mitteleuropa haben wird. Etwas weiter westlich des Troges entwickelt sich bis zum Dienstag eine weitere Kurzwelle, die nach aktuellen Stand als neuer Cut-Off vor den Atlantikküsten Europas abtropfen wird. Diese bleibt jedoch - vorerst - für uns uninteressant. Als letztes Objekt haben wir noch das Cut-Off vor Korsika, das im Prognosezeitraum bis an Sizilien vorrückt. Ansonsten wird der überwiegende Teil Europas von einem Rücken dominiert, das nur durch das Cut-Off räumlich in zwei Teile aufgetrennt wird.

Am Boden ist das Tiefdrucksystem DETLEF nach wie vor über dem Alpenvorland präsent, mit dem nochmals sehr warm-feuchte Luft ost- bzw. nordostwärts transportiert wird, während über der Ostsee das Hoch GWENDOLIN vorliegt. Mit Annäherung der Kurzwelle in der Nacht auf Dienstag gerät das Bodentief kurzzeitig in seinen Einflussbereich und bewegt sich nord- bzw. nordostwärts und verdrängt dabei GWENDOLIN weiter ostwärts über den Balkan, während an der Rückseite des Tiefs neuerlicher Hochdruck mit kälteren Luftmassen folgen wird. Dadurch kommt es strömungsbedingt zu einer scharfen Konvergenzlinie und dynamische Hebungsprozesse, womit Gewitter wahrscheinlich werden.


Diskussion

An der gesamten West- und Südflanke des Tiefs befinden sich immer noch 12 bis 14 g/kg Feuchtigkeit bei einem vertikalen Temperaturgradienten von etwa 7 °/km. Dazu dürfte es am Boden innerhalb des Warmsektors erneut 30 bis 34 °C warm werden, sodass Energiewerte von 1.250 bis 1.500 J/kg möglich scheinen. Diese prallen an der Konvergenz, bedingt durch die nächtlichen Niederschlagsaktivitäten, auf Luftmassen mit sehr kühlen 15 bis 20 °C. Problematisch für organisierte Zellen ist weiterhin die meist schwächelnden Höhenwinde, aber mit Annäherung der Kurzwelle könnten kurzzeitig wieder 15, lokal auch 20 m/s 0-6 km Scherwinde erreicht werden. Der optimalste Zeitpunkt liegt nach aktueller Modelllage am Nachmittag bis frühen Abend, wo auch eine Überlappung mit bis zu 300 m²/s² 0-3 km Helizität vorliegt und der Superzellenparameter deutlich anschlägt.

Innerhalb des Warmsektors sind zum frühen Nachmittag entlang von Gebirgszügen über der Mitte und dem Südwesten durch Orographie erste Gewitter möglich, die jedoch vorwiegend pulsierenden Charakter aufweisen. Mit ausfällbarem Wassers von um die 40 mm sind daher kurzzeitige, aber starke Niederschläge denkbar, die dazu mit Hagel bis 2 cm begleitet werden können. Entlang der Konvergenz dagegen sind stärkere Multizellen möglich, die durchaus auch rotierenden Charakter aufweisen können. Im Verlauf verclustern diese schnell zu einem größeren System und wandern mit der Konvergenz langsam nordostwärts. Mit diesen Zellen ist sehr ergiebiger Starkregen möglich bei bis zu 45 mm ausfällbarem Wassers und Mehrfachtreffern. Größerer Hagel über 3 cm und stürmische Böen können zwar mit stärkeren Systemen nicht ausgeschlossen werden, werden aber, so wie schon am heutigen Sonntag, auch diesmal eine untergeordnete Rolle spielen.


Verifikation

     Gesamtniederschlag in 24 Stunden bis 07:50 Uhr.          Gesamtzahl an Blitzen in 24 Stunden bis 07:50 Uhr.

Zunächst mal ereigneten sich sämtliche Gewitter weiter östlich als angenommen. Dazu war das Aktivitätszentrum deutlich Richtung Nord verlagert, was in der Prognose nicht wirklich erwartet wurde. Außerdem konnten sich im schmalen Streifen von der Mitte bis nach Polen entlang der Warmfront bis auf eine Ausnahme keine Gewitter bilden und selbst am Schwarzwald blieb es überwiegend still. Damit die Prognose insgesamt eine der schlechteren.


Samstag, 8. August 2015

Wetter 09.08.2015: Ein Cut-Off sorgt für feuchte Unruhe


Gültig von: 09.08.2015, 08:00 MESZ bis 10.08.2015, 08:00 MESZ
Erstellt am: 08.08.2015, 22:20 MESZ


Einschätzung

Kategorie Slight - für Teile Rheinland-Pfalz', Hessens, Saarlands und Baden-Württembergs

Thunderstorms - für Teile Nordrhein-Westfalens, Hessens, Rheinland-Pfalz', Saarlands, Baden-Württembergs und Bayerns


Zusammenfassung

Es besteht Potential für ergiebigen Niederschlags bis 100 mm, stürmische Böen und Hagel um 2 cm.


Synoptik

Wie schon seit geraumer Zeit ist die Großwetterlage in mittlerer Höhe in 2 Lager aufgeteilt, dessen Trog über dem Nordatlantik mit Zentrum südwestlich Islands liegt und dabei kaum noch Einfluss auf europäische Landflächen ausübt, während der Rücken praktisch über ganz Europa die Regie übernommen hat. Einzige Ausnahme bildet ein Cut-Off, dass sich zum heutigen Samstag vor Frankreich vom Trog losgelöst hat und eine südöstliche Zugbahn eingenommen hat. Bis zum Montag morgen soll es dabei bis an den Nordwesten Italiens vorankommen.

Am Boden befindet sich unterhalb des Troges vor Island ein ausgedehntes Tiefdrucksystem mit komplexer Frontenstruktur, dass aber für Deutschland vorerst nicht von Interesse sein wird, da sich über dem Norden ein Hochdruckausläufer GWENDOLIN festgesetzt hat. Wichtiger für das Wettergeschehen wird eher das Tief DETLEF sein, welches vom Norden Italiens ausgehend in den Einflussbereich des Cut-Offs gerät und unter leichter Zyklogenese entlang der Alpen Richtung Norden/Nordosten zieht. Bis zum Nachmittag sollte es dadurch bis in den deutschen Voralpenraum gelangt sein. Das Tief ist in ein wellendes Frontensystem eingebunden, bei dem der Warmfrontanteil nochmals sehr warme und feuchte Luft über die deutsche Südhälfte advehiert, die dann von der nachziehenden, aktiven Kaltfront ausgeräumt werden sollte.


Diskussion

Sämtliche Modelle zeigen ein signifikantes Niederschlagsereignis am Abend und in der Nacht auf Montag im Südwesten/Westen! Gebietsweise können bis zum Montag Morgen durchaus 100 mm Niederschlag zusammenkommen.

Die Temperaturen erreichen innerhalb des Warmsektors nochmals verbreitet 30 bis maximal 34 °C, während der Wassergehalt bis auf 15 g/kg ansteigen kann. Damit ist eine Menge Feuchtigkeit in der Luft, die sich unter anderem in 1.250 bis 1.500 J/kg CAPE zeigen. Es ist jedoch noch fragwürdig, ob es der Luftmasse tatsächlich gelingt seine Energie vollständig zu entfalten, da in mittleren Höhen auf 500 hPa die Temperaturen erneut sehr hoch, um -9 °C, vorliegen und sich der Temperaturgradient damit als sehr flach erweist. Zudem liegt der Jetstream weit vom Ort des Geschehens entfernt über der Nordsee, sodass im Umfeld der Kaltfront oft nur 10 m/s, maximal 15 m/s 0-6 km Scherwinde zu erwarten sind. Dafür ist zumindest 200 bis 250 m²/s² 0-3 km Helizität vorhanden.

Losgehen wird es wohl zum Nachmittag durch Orographie getriggert an den Alpen, dem Schwarzwald und der Schwäbischen Alb in Form von einzelnen Multizellen. Dann zügige Verclusterung und Neubildung entlang der gesamten Kaltfront, in die teils sehr kräftige Zellen eingebettet sein können, mit denen bei Anwesenheit von um die 50 mm ausfällbaren Wassers sehr starke Niederschläge möglich sein sollten. Lokale Überschwemmungen sind wahrscheinlich. Wind und Hagel spielen eher eine untergeordnete Rolle, Körner bis 2 cm Größe sowie stürmische Böen dürften aber im Bereich des Möglichen sein. Evtl. rotierende Systeme können nicht ganz ausgeschlossen werden, auch wenn das Windprofil nicht optimal ist, sodass auch ein wenig größerer Hagel fallen könnte. Zum späten Abend verlagert sich die Hauptaktivität immer weiter auf das Saarland/Rheinland-Pfalz und zieht dann unter gradueller Abschwächung in der Nacht über Nordrhein-West-falen/Niedersachsen/BeNeLux.


Verifikation

     Gesamtniederschlag in 24 Stunden bis 07:50 Uhr.          Gesamtzahl an Blitzen in 24 Stunden bis 07:50 Uhr.

Bis auf über nördliche Teile Rheinland-Pfalz ereigneten sich die Gewitter wie prognostiziert.


Donnerstag, 6. August 2015

Wetter 07.08.2015: Hitzetief mit Konvergenz bringt schwere Gewitter


Gültig von: 07.08.2015, 08:00 MESZ bis 08.08.2015, 08:00 MESZ
Erstellt am: 06.08.2015, 21:40 MESZ


Einschätzung

Kategorie Moderate - für Teile Rheinland-Pfalz', Hessens und Nordrhein-Westfalens

Kategorie Slight - für Teile Rheinland-Pfalz', Hessens, Thüringens, Nordrhein-Westfalens, Sachsen-Anhalts, Niedersachsens, Bremens und Hamburgs

Thunderstorms - für alle Teile Deutschlands


Zusammenfassung

Es besteht am frühen Abend Potential für starken Niederschlag, Hagel über 5 cm, Sturmböen und im geringen Umfang für einen Tornado.

Es besteht zum späten Abend und in der Nacht zu Samstag Potential für starken, ergiebigen Niederschlag weit über 50 mm, Hagel bis 4 cm sowie schwere Sturmböen bis 100 km/h.


Synoptik

Zum Mittag befindet sich ein Ausläufer des Troges über Grönland etwa nordöstlich von Island, das von zwei Kurzwellen begleitet wird. Das eine befindet sich vor der norwegischen Küste, bleibt daher für Mitteleuropa uninteressant, das andere dagegen liegt über den britischen Inseln und wird bis zum Samstag einen Abtropfprozess zum Cut-Off über der Biscaya einleiten. Dabei steigt vorübergehend der Einfluss auf das Wetter über Deutschland. Es gibt jedoch aktuell noch einige berechtigte Unsicherheiten in der Modellwelt bezüglich dieses Vorgangs. Über dem Rest Europas liegt dagegen ein Rücken, welcher sich in der Vorderseite der Kurzwelle wieder stark aufsteilen kann und dabei bis zu nördlichen Teilen Skandinaviens reicht.

Am Boden ist noch immer das steuernde Tief BONIMIR unterhalb des Troges präsent und zeigt mittlerweile eine durchaus komplexe Frontenstruktur, während an der Vorderseite der südlichen Kurzwelle ein kleines Hitzetief über Frankreich lokalisiert ist, das mit relativ langsamer Zuggeschwindigkeit in den Nordosten zieht und bis Samstag voraussichtlich die nördliche Mitte Deutschlands erreicht hat. Seine Nordostflanke zeigt eine deutliche Auswuchtung hin zu einer Tiefdruckrinne, in die eine Konvergenz eingebettet ist. Hinter dem Tief folgt ein Hochdrucksystem mit vorerst kälterer Luftmasse.


Diskussion

Bei Temperaturen von 35 bis 39 °C über weite Teile Deutschlands (mit Ausnahme des Nordwestens/Nordens), sowie Lapse Rates von 7 bis lokal sogar 8 °/km bei Mixing Rations von 12 bis 14 g/kg dürften wieder mäßige bis hohe CAPE-Werte zwischen 1.500 und 2.000 J/kg zu erwarten sein, ganz lokal sind auch bis zu 2.500 J/kg möglich. Dazu werden teilweise signifikante 0-3 km Helizitätswerte simuliert, die besonders ab der Konvergenz zum Nordwesten hin oftmals über 300 m²/s² erreicht. Durch die absolute Nähe zur Kurzwelle sind zudem 0-6 km Scherwinde zwischen 15 und 20 m/s, lokal auch bis zu 25 m/s denkbar. Es ist daher nicht verwunderlich, dass der Superzellenparameter deutlich anschlägt. Es gibt jedoch ein dickes Fragezeichen zu möglichen Entwicklungen. Tatsächlich werden gegenwärtig isolierte Zellen im Bereich der Konvergenz von 2 Regionalmodellen ab etwa 18 Uhr simuliert, während 3 hier keine bzw. nur sehr schwache Signale aufweisen.

Spannender wird dann die Situation ab dem späten Abend bis zum Samstag morgen. Alle Modelle sind sich darüber einig, dass im Bereich des Tiefdruckkerns sehr starke Entwicklungen in Form von Multizellen bzw. im späteren Verlauf als Mesoscale Convective System (MCS) stattfinden werden. Diese Zellen werden von 0-6 km Scherwinde bis 30 m/s sowie deutlich über 300 m²/s² 0-3 km Helizitätswerte unterstützt. Auch CAPE ist nach wie vor noch um 1.000 J/kg entlang der Zugbahn. Damit ist auch das Potential für eingebettete Superzellen recht hoch.

Aufgrund sehr hoher Werte bei ausfällbarem Niederschlag zwischen 40 mm (zum frühen Abend) und 50 mm (mit dem MCS) sind mit jeder Zellentwicklung starke Niederschläge zu erwarten. Lokale Überschwemmungen können nicht ausgeschlossen werden und gerade mit dem MCS sind sehr hohe Gesamtsummen von deutlich über 50 mm bis Samstag morgen zu erwarten. Interessant ist sicherlich auch der simulierte Trockeneinschub auf 700 hPa, sodass wieder Großhagel von 5 cm aufwärts möglich scheint - hier besonders mit Superzellen zum frühen Abend. Später, mit dem MCS sind immer noch bis zu 4 cm Hagel denkbar. Mit sämtlichen Zellen ist zudem mit stürmischen bis schweren stürmischen Böen zu rechnen. Gerade zum Entstehungszeitpunkt des MCS ist hier das Potential mit Böen bis 100 km/h am größten. Als letzte Gefahr kann auch ein Tornado unterhalb einer Superzelle nicht ausgeschlossen werden, das Potential ist jedoch vergleichsweise gering.


Verifikation

     Gesamtniederschlag in 24 Stunden bis 07:50 Uhr.          Gesamtzahl an Blitzen in 24 Stunden bis 07:50 Uhr.

Es sollte sich erweisen, dass die Luftmasse schon in den frühen Morgenstunden so potent war, dass die Entwicklungen an der Konvergenz aus der Nacht von Frankreich ausgehend bis in die Mittagsstunden über dem gesamten Westen/Norden anhielten und bereits da langanhaltenden Niederschlag mit deutlicher Abkühlung brachten. Im Umfeld der betroffenen Regionen konnte sich die Luftmasse nicht mehr ausreichend erholen, sodass die von Modellen simulierten Instabilitäten nicht erreicht werden konnten. Zudem wurde der sehr flache Temperaturgradient deutlich unterschätzt, der es der Luftmasse vielfach, trotz hoher Temperaturen und Taupunkte, nicht erlaubte zu initialisieren.

Erst viel später, zur Nacht auf Samstag mit Annäherung der Kaltfront, konnte nochmal verbreitet Auslöse stattfinden. Insofern konnte zumindest das betroffene Gebiet sehr gut eingegrenzt werden. Auch waren die zu dem Zeitpunkt sich entwickelnden Zellen für diese Uhrzeit recht kräftig. Mit bisschen mehr Energie und zur früheren Tageszeit wären die oben genannten Gefahren im vollen Umfang eingetroffen. So blieb es aber nur bei den erwarteten >= 50 mm Niederschlag, einigem kleinkörnigen Hagel bis 2 cm Größe sowie ein paar stürmische Böen bis maximal 67 km/h. Eine Kategorie Slight wäre daher ausreichend gewesen.


Montag, 3. August 2015

Wetter 04.08.2015: Konvergenz sorgt für stürmische Gewitter


Gültig von: 04.08.2015, 08:00 MESZ bis 05.08.2015, 08:00 MESZ
Erstellt am: 03.08.2015, 21:20 MESZ


Einschätzung

Kategorie Slight - für alle Teile Nordrhein-Westfalens, Niedersachsens, Hessens, Thüringens, Sachsen-Anhalts, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburgs und Berlins

Kategorie Slight - für alle Teile Baden-Württembergs und Bayerns

Thunderstorms - für alle Teile Deutschlands


Zusammenfassung

Es besteht im Norden Potential für starken Niederschlag, Hagel bis 3 cm und schwere Sturmböen.

Es besteht im Süden Potential für starken Niederschlag und Hagel bis 3 cm.


Synoptik

Am morgigen Dienstag liegt über dem Nordatlantik ein Trog, dessen Zentrum vor den schottischen Westküsten positioniert ist. Sein Einflussgebiet reicht von Grönland über Großbritannien bis Schweden. An seiner Südostflanke befindet sich zudem eine Kurzwelle, die Mitteleuropa touchieren wird. Über dem gesamten südlichen Rest Europas ist ein ausgedehnter Rücken situiert, der sich an der Vorderseite des Troges steil bis hinauf zur Mitte Schwedens aufwölben kann. Bis zum Mittwoch verweilt der Trog quasi-stationär, während seine Kurzwelle zügig nordwärts schwingt und damit dem Rücken zunächst wieder freie Bahn gibt sich nordwärts auszudehnen.

Das am Boden befindliche Tief BONIMIR wird im Verlauf des Tages vom Trog eingeholt, womit ein langsamer Auffüllungsprozess und die damit einhergehende Abschwächung einsetzt. Die Folge ist ein zunehmend okkludiertes Frontensystem, das aber über dem kontinentalen Europa - und im Besonderen über Deutschland - noch als schwache, sehr flache Kaltfront hinwegziehen wird. Als hilfreich für das morgige Wettergeschehen erweist sich eine Tiefdruckrinne, die sich im Randbereich von BONIMIR an der Vorderseite der Kurzwelle auftut und eine markante Konvergenzlinie beinhaltet. Diese zieht im Vorfeld der Kaltfront bis zur Nacht nach Osten/Nordosten ab und wird rasch von einem flachen Hochdruckgebiet gefolgt.


Diskussion

Bereits in den frühen Morgenstunden entwickelt sich die Tiefdruckrinne über Frankreich und sorgt dadurch für ein Einschwenken der Kaltfront in Richtung Ost/Südost. Hier zeigen sich bereits erste konvektive, aber wohl überwiegend schwache Entwicklungen, die schließlich am Vormittag über den Westen Deutschlands ziehen, wobei davon auszugehen ist, dass sie dann kaum noch gewittrig sein werden und moderaten Niederschlag bringen. Weiter im Osten bleibt es dagegen noch bis in die späten Mittagsstunden überwiegend wolkenfrei, sodass unter voller Einstrahlung die Temperaturen oftmals über 30 °C liegen werden.

Ab den Mittagsstunden entwickelt sich eine durchaus komplexe Wetterlage über Deutschland mit vielen Unbekannten. Da die Kaltfront oftmals nur Niederschlag mit einigen schwachen, eingelagerten Gewittern bieten soll, wird im Folgenden daher nur auf die Konvergenz eingegangen. Hier werden trotz hoher Taupunkte von zum Teil 18 bis 20 °C wegen sehr warmer Temperaturen in den unteren und mittleren Luftschichten nur vergleichsweise niedrige Energiewerte erreicht - meist bloß mehrere 100 J/kg. An einigen Stellen entlang der Linie dürften aber auch Werte um 1.000 J/kg möglich sein. Markant ist sicherlich das starke Windfeld am Boden, bei dem mittlere Winde von bis zu 50 km/h und Böen, besonders in Verbindung mit Zellen, bis über 90 km/h simuliert werden. Dazu ergeben sich 0-6 km Scherungswerte um 20 m/s bei 0-3 km Helizität von 200 m²/s², lokal auch bis maximal 300 m²/s². Einige Modelle zeigen Signale für isolierte Zellentwicklungen, insofern können Superzellen - trotz des geringen Energieaufgebots - durchaus wahrscheinlich sein.

Neben den starken Böen, die sich vor allem über dem Osten Deutschlands präsentieren, besteht auch eine Gefahr für kräftigen Starkregen bei einem Wassergehalt von um die 40 mm. Bei einer Zuggeschwindigkeit von häufig über 50 km/h dürften aber Überschwemmungen, selbst bei sehr intensiven Zellen, die Ausnahme bilden. Auch Hagel dürfte eine untergeordnete Rolle spielen, da das Energiereservoir zu gering ist um Großhagel zu ermöglichen. Evtl. sind mit einer möglichen Superzelle maximal 3 cm drin, sonst verbleibt die Korngröße aber unter 2 cm.

Ein dickes Fragezeichen steht derzeit bei Entwicklungen entlang der süddeutschen Gebirgszügen. Da hier die höchsten Energiewerte vorherrschen, die Kinematik aber nicht so ideal ist, ist von stärkeren Multizellen vor allem an orographischen Features auszugehen, die Hagel bis 3 cm aufbieten können. Auch hier ist Starkregen ein Thema, der bei eher moderaten Zuggeschwindigkeiten um 30 km/h ergiebig ausfallen kann.


Verifikation

     Gesamtniederschlag in 24 Stunden bis 07:50 Uhr.          Gesamtzahl an Blitzen in 24 Stunden bis 07:50 Uhr.

Die erwarteten Entwicklungen blieben nahezu komplett aus, die Lage war fast nur mit Niederschlag durchsetzt. Lediglich über dem Osten sowie dem äußerstem Südosten zeigten sich einige gewittrige Zellen. Die interessanteste davon zog noch als Mesozyklone über Lübeck hinweg auf die Nordsee, die sich aber außerhalb der Kategorie Slight Markierung befand. Insofern keine gute Prognose für diesen Tag.


Freitag, 24. Juli 2015

Wetter 23.07.2015: Sturmtief Zeljko mit Wind und Gewitter


Gültig von: 24.07.2015, 21:00 MESZ bis 26.07.2015, 08:00 MESZ
Erstellt am: 24.07.2015, 21:00 MESZ


Einschätzung

Kategorie Moderate - für Teile Nordrhein-Westfalens, Niedersachsens, Bremens, Hamburgs, Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommern

Kategorie Slight - für alle Teile Deutschlands außer Baden-Württemberg und Bayerns

Thunderstorms - für alle Teile Deutschlands


Zusammenfassung

Es besteht an einer Konvergenz Potential für starken Niederschlag, Hagel um 2 cm und schwere Sturmböen.

Es besteht innerhalb des Tiefenwindfelds Potential für Böen bis Orkanstärke und starken Niederschlag.


Synoptik

Aktuell befinden sich große Teile Süd- und Osteuropas unterhalb eines ausgedehnten Rückens mit Zentrum über den Azoren, während Europa nördlich der Kontinentalflächen von einem Trog dominiert werden, dessen Zentrum etwa zwischen Island und Norwegen liegt. Rund um den Trog sind mehrere Kurzwellen eingebettet, wobei das derzeit im Westen der britischen Inseln lokalisierte von größtem Interesse sein wird. Dieses wird sich im Verlauf der kommenden Stunden weiter stark intensivieren und zügig weiter Richtung Ost-Nordost auf die Südspitze Schwedens zuziehen.

Am Boden befindet sich aktuell über dem Balkan noch ein flaches Hochdruckgebiet EVA, an dessen Rückseite noch leichte Warmluftadvektion über große Teile Deutschlands stattfinden wird. Von größerer Bedeutung bekommt jedoch ein Tiefdrucksystem ZELJKO, das in den letzten Tagen über subtropische Bereiche des Atlantiks entstanden ist und nun bis an den Ärmelkanal vorangeschritten ist. Dieses kommt jetzt zunehmend in Kontakt mit der genannten Kurzwelle und wird daher einer kurzzeitigen, aber starken Zyklogenesephase unterliegen. Nach aktueller Modelllage wird es sich dabei um ein Sturmtief handeln, dass in etwa entlang der kontinentaleuropäischen Küsten bis zum Süden Schwedens ziehen wird und damit signifikanten Einfluss auf das Wettergeschehen der kommenden 24 Stunden über Mitteleuropa nehmen wird.


Diskussion

Innerhalb des Warmsektors zwischen EVA und ZELJKO dürften selbst in der Nacht noch oftmals mehrere 100 bis gar 1.000 J/kg CAPE bei einem Wassergehalt von 12 bis 13 g/kg quer von Südost- nach Nordwestdeutschland möglich sein, dazu liegen die Temperaturen meist noch um die 20 bis 22 °C. Darüber hinaus stimmen auch die kinematischen Parameter, welche mit um die 20 m/s 0-6 km Scherwinde und 200 bis 250 m²/s² 0-3 km Helizität gut mit den thermodynamischen Bedingungen überlappen. Mit Annäherung und Intensivierung von ZELJKO entwickelt sich an seiner Südostflanke eine Konvergenzlinie parallel zur BeNeLux-Grenze. Mit zunehmendem Voranschreiten gen Nordosten entwickelt sie jedoch immer mehr eine West-Ost-Komponente.

Die Gefahren liegen dabei vor allem bei sehr ergiebigem Starkregen mit einem Wassergehalt von um die 40 mm, mit der Konvergenzlinie dürften auch - gerade wenn sich die Zellen zu einer Linie formieren - schon erste stärkere Böen bis 90 km/h möglich sein. Hagel dürfte mit maximal 2 cm Durchmesser hauptsächlich eine untergeordnete Rolle spielen, eingebettete oder vielleicht sogar vorlaufende Superzellen dürften jedoch die Gefahr für größere Körner erhöhen. Im Verlauf der Nacht ziehen die Gewitter bis an die norddeutschen Küstenregionen und schwächen sich dabei nur mäßig ab, bevor sie den deutschen Raum unter erneuter Intensivierung verlassen.

Im Verlauf des morgigen Tages nähert sich dann schließlich das eigentliche Tief ZELJKO, dessen Sturmfeld ab den Vormittagstunden Einzug in Deutschlands Westen erhalten und bereits zur Mittagszeit über weite Flächen Böen um 70 km/h aufbieten kann, an esponierten Lagen auch ein paar km/h mehr. Spätestens zum Abend erreicht der stärkste Bereich die Nordseeküste, an der Böen über 100 km/h möglich sind, über Niedersachsen noch zwischen 80 und 90 km/h und vielleicht über Thüringen/Sachsen-Anhalt durch eine mögliche Störung im Druckfeld ebenfalls bis 80 km/h. In der Nacht zieht das Tief weiter gen Ost-Nordost über Dänemark, sodass auch über Schleswig-Holsten sowie Mecklenburg-Vorpommern Böen bis 80 km/h drin sind.
Fraglich scheint derzeit, ob im Bereich des stärksten Windfelds an der Nordseeküste zum späten Nachmittag nochmal gewittrige Entwicklungen möglich sind. Einige Modelle deuten dies jedenfalls an und da zu diesem Zeitpunkt in den unteren Luftschichten eine deutliche Verstärkung des Windfelds auf um die 30 m/s stattfindet, könnten selbst weiter landeinwärts durch Heruntermischen auch Orkanböen mit starkem Niederschlag auftreten.


Verifikation

     Gesamtniederschlag in 24 Stunden bis 07:50 Uhr.          Gesamtzahl an Blitzen in 24 Stunden bis 07:50 Uhr.


Die Nachtgewitter erwiesen sich als eher mäßig stark. Es konnte sich zwar eine Linie von der Nordseeküste bis in den Süden nach Bayern ausbilden, an der auch schon einige kräftigere Böen möglich waren, sonst blieb es aber bei Niederschlägen, die vor allem im Küstenumfeld wegen der quasi-stationären Lage langanhaltend und ergiebig ausfielen.


     Spitzenböen am Samstag.                             Spitzenböen am Sonntag.  


     Gesamtniederschlag in 24 Stunden bis 07:50 Uhr.          Gesamtzahl an Blitzen in 24 Stunden bis 07:50 Uhr.

Das Sturmtief selbst wurde von seiner Stärke her vielleicht sogar noch ein kleines Stück unterschätzt. Die maximale Ausprägung wurde bei 90 km/h angesetzt, gemessen wurden aber im Flachland sogar Böen bis 100 km/h. Für die Kategorisierung spielt das aber keine Rolle, sehr wohl aber die Zugbahn des Hauptsturmfeldes, das wesentlich weiter südlich lag und damit auch in Teilen Nordrhein-Westfalens und Rheinland-Pfalz schwere Sturmböen verursachte. Hier wäre eine Ausdehnung der Kategorie Moderate notwendig gewesen.

Historisch wurde es vor allem über den Niederlanden. Direkt an der Küste wurden noch nie im Sommer durchschnittliche Winde mit Bft 11 gemessen. Das Land war das am schwersten Betroffene, mit mehreren gemessenen Orkanböen, und es kam verbreitet zu schweren Schäden durch umfallende Bäume, herabfallende Äste, aber auch an Gebäuden. Selbst der starke Wellengang verursachte Schäden an den Küsten.


Dienstag, 21. Juli 2015

Wetter 22.07.2015: Kräftige Gewitter entlang einer Konvergenzlinie


Gültig von: 22.07.2015, 08:00 MESZ bis 23.07.2015, 08:00 MESZ
Erstellt am: 21.07.2015, 21:15 MESZ


Einschätzung

Kategorie Moderate - für Teile Brandenburgs, Sachsen-Anhalts und Sachsens

Kategorie Slight - für Teile Brandenburgs, Sachsen-Anhalts, Hessens, Thüringens, Sachsens, Rheinland-Pfalz', Bayerns, Saarlands und Baden-Württembergs

Thunderstorms - für alle Teile Deutschlands außer Schleswig-Holsteins, Niedersachsens, Mecklenburg-Vorpommerns, Bremens und Hamburgs


Zusammenfassung

Es besteht an einer Konvergenz Potential für starken Niederschlag und Hagel bis maximal 5 cm .

Es besteht im Süden Potential für starken Niederschlag, Hagel bis maximal 4 cm und stürmische Böen.


Synoptik

Morgen Nachmittag wird vor Schottland ein Trog positioniert sein, an dessen Südflanke eine Kurzwelle für Aufwölbung des über der Südhälfte Europas dominierende Höhenrückens sorgt, welches auf diese Weise bis an die Südspitze Skandinaviens heranreichen kann.

Am Boden befindet sich direkt unterhalb des Troges das steuernde Tief YAKARI, welches mit einer vergleichsweise langen Tiefdruckrinne den gesamten Norden Europas abdeckt, während vor der Küste Portugals ein Hochdrucksystem positioniert ist. Da beide Systeme im Tagesverlauf Richtung Ost ziehen und damit an Einfluss über Mitteleuropa gewinnen, werden zunehmend kühlere Luftmassen südostwärts advehiert. Gleichzeitig setzt Zyklogenese an den Alpen ein, die zu einem lokalen Tiefdrucksystem über Bayern führt und an dessen Vorderseite um die Alpen herum nochmals warme Luftmassen bis zur deutschen Mitte transportiert wird. In den Fokus rückt allerdings nun zunehmend eine Konvergenz, die nur wenig der Kaltfront vorgelagert entstehen, aber im Tagesverlauf stärker werden und wetteraktiv sein wird.


Diskussion

Die ohnehin schon verbreitet recht feuchte Luftmasse wird nochmal weiter entlang der Konvergenzlinie angereichert und dürfte in der Spitze quer über Deutschland von Rheinland-Pfalz bis Berlin einen Wassergehalt von 12 bis 15 g/kg aufweisen. Lapse Rates bleiben ebenfalls bei 7 bis 7,5 °K und auch die Bodentemperatur dürfte vor allem südöstlich der genannten Linie verbreitet 27 bis 33 °C betragen. Insgesamt dürfte so ein Energiegehalt von 1.000 bis 1.250 sowie lokal bis 1.500 J/kg vorliegen.

Interessant ist die Überlappung von mindestens 15 m/s, teilweise - vor allem im Osten - auch 20 m/s DLS mit den thermodynamischen Parametern. Dazu oftmals SRH-Werte 150 und 200 m²/s², im Osten im Bereich stärkerer DLS auch Werte über 200 m²/s². Dazu liegt nicht nur durch die Konvergenz bodennahe Vorticity vor, auch in der Höhe ist etwas PVA vorhanden, sodass genug Hebungsantrieb vorhanden sein sollte, damit bereits in den Mittagsstunden erste Konvektion an westlichen Mittelgebirgen einsetzt. Mit zunehmender Ausprägung der Konvergenz setzen dann zum Nachmittag verbreitet Entwicklungen ein, die dabei recht kräftig ausfallen können. Die Gefahren liegen hier bei Hagel bis 2 cm, weiter im Osten gegen Abend, bedingt durch zunehmend besserer kinematischer Parameter und damit einhergehend erhöhtem Superzellenpotentials, dürfte auch größerer Hagel bis 5 cm möglich sein. Niederschläge dürften bei ausfällbarem Wassergehalt bis 50 mm ziemlich stark ausfallen und Flash Floods sind wahrscheinlich bei eher mäßiger Zuggeschwindigkeit. Böen werden dagegen aber eher eine untergeordnete Rolle spielen.

Gegen Abend setzt die schon besagte Zyklogenese an den Alpen ein, wodurch genug Hebungsantrieb vorhanden ist, dass es auch südlich der Konvergenzlinie im Alpenvorland verbreitet zur Auslöse kommt. Zwar erhöht sich dadurch gleichzeitig auch SRH auf teilweise 200 m²/s², aber es bleibt bei den meist maximal 10 m/s DLS. Damit ist zwar mit recht kräftigen Zellen in einer energiereichen Luftmasse zu rechnen, sie dürften jedoch eher pulsierenden Charakter besitzen und als gruppige Zellen mit stetigen Neuentwicklungen gen Osten ziehen. Hier besteht die Gefahr bei Hagel von bis zu 4 cm Größe, mit starken Zellen auch etwas größer, sowie Flash Floods bei bis zu 40 mm ausfällbaren Wassers und stürmische Böen.